PRANAYAMA

ATMUNG - PRANAYAMA

Sauerstoff ist die wichtigste Substanz für die Gesundheit jeder Zelle unseres Körpers. Sauerstoffmangel ist eines der Hauptkriterien für die Übersäuerung des Körpers und damit eine der Hauptursachen für Krankheiten.

Psyche und Atmung stehen in enger Beziehung zueinander. Das Atemzentrum ist wichtig für die Steuerung der vegetativen Prozesse, die wiederum verantwortlich sind für die Verdauung. Schlaf und emotionale Befindlichkeit. Das vegetative Nervensystem steuert die Atmung.

 

Mit jedem Einatmen nehmen wir Sauerstoff auf, und mit jeder Ausatmung scheiden wir Kohlendioxid aus.

Durch eine oberflächliche Atmung sind chronisch mit Sauerstoff unterversorgt, was beispielsweise zu der weitverbreiteten Müdigkeit und Energielosigkeit führen kann. Die mangelhafte Atmung fördert mentale Spannungen, körperliche Verspannungen und die Übersäuerung des Körpers, was zu zahlreichen Beschwerden und Krankheiten führen kann. 

In der Yogatherapie spielen die zahlreichen Atemübungen (Pranayama) eine wichtige Rolle für die körperliche und geistige Gesundheit, indem sie die Heilkräfte und das Immunsystem positiv stimulieren.

 

So wie wir atmen, so fühlen wir uns.

 

Nicht umsonst heißt es im Yoga: „ Ein ruhiger Atem schenkt uns einen ruhigen Geist.“

ATMUNG IST DER SCHLÜSSEL ZUR KÖRPERLICHEN UND GEISTIGEN GESUNDHEIT

Die Wichtigkeit der Atmung wurde schon in alten indischen Texten wie dem Yoga-Sutra von Patanjali und der Hatha Yoga Pradipika immer wieder betont. Die verschiedenen traditionellen Atemtechniken des Yoga (Pranayama) haben alle das Ziel durch die Atmung Blockaden im Körper zu lösen und den Energiefluss (Prana) optimal ins Gleichgewicht zu bringen. Ist der freie Atemfluss blockiert, können die Zellen des Organismus nicht mehr reibungslos funktionieren und die Kommunikation über Hormone und Botenstoffe wird gestört. Das bringt die Organsysteme aus dem Gleichgewicht und führt auch dazu, dass wir uns wie getrennt oder abgespalten fühlen. Die Harmonie von Körper, Atem und Geist basiert auf der Verbindung untereinander. Deshalb ist es bei den Körperübungen wesentlich, dass der Atem die Bewegung führt und der Geist gleichzeitig auf den Atem fokussiert ist.

 

 

Durch die Kehlatmung (im Sanskrit Ujjayi genannt; ausgesprochen „udschai“) können wir einen Hals Ton erzeugen, der uns hilft, wahrzunehmen, ob Körper, Atem und Geist im Gleichgewicht sind. In der Yoga-Therapie legen wir großen Wert auf diese atemverlängernde Technik.

 

So wie wir atmen, so fühlen wir uns

 

Die langsame Ausatmung schenkt Entspannung, während die langsame Einatmung die Aufmerksamkeit und den Energielevel sofort heben kann. Eine verlängerte, gleichmäßige Ausatmung, kann viele Beschwerden, wie zu hohen Blutdruck, Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen und Burnout, verringern und teilweise sogar vollständig heilen. Das Atemzentrum wird in verschiedenen Untersuchungen mit dem Gehirnareal des sogenannten Mandelkerns in Verbindung gebracht, der eine wichtige Rolle bei Angst und Panik spielt. Gerade bei Angst oder auch Wut ist es wichtig, richtig tief durchzuatmen. Mit dieser Methode könnten wir unangenehme Gefühle wieder loslassen und uns vor schädlichen Verhaltensweisen bewahren.

 

Tief durchzuatmen in schwierigen Situationen kann sehr hilfreich sein, um im Gleichgewicht zu bleiben.

 

Das schnelle Atmen wie bei Kapalabhati, das wir in Verbindung mit gewissen Yogatechniken praktizieren, ist hilfreich, um tief sitzende unbewusste Gefühle an die Oberfläche zu bringen und fließen zu lassen. Die verlängerte Einatmung, bei der bewusst zu den Rippen, zum Schlüsselbein, in die Brust, zum Zwerchfell, in den Bauch und bis in das Becken geatmet wird, fördert die Sauerstoffaufnahme, stärkt die Lungen und das Immunsystem. Sie eignet sich dazu, die Lebensenergie (Prana) in Fluss zu bringen und die Heilkräfte des Körpers zu stimulieren. Damit werden die ganzen Körpersysteme positiv stimuliert und zum Beispiel die Lungenkapazität erweitert, was wiederum Selbstregulation (Homöostase) anregt.

Bei der Organzuordnung in der chinesischen Medizin wird die Ausatmung mit der Lunge in Zusammenhang gebracht und die Einatmung mit den Nieren. Wenn wir nur über eine kurze Einatmung verfügen, schwächt das die Nierenfunktion, was dazu führen kann, dass unser Blut nicht optimal gereinigt werden kann. Die Atmung hat also auch einen Einfluss auf die verschiedenen Organe und auf unsere Gefühle. Die Bewegung des Zwerchfells regt die inneren Organe durch eine innere Massage an, was die Verdauungsorgane aktiviert und die Ausscheidung fördert. Die zahlreichen Atemtechniken des Yoga, wie beispielweise das Atemanhalten nach der Einatmung (in der Atemfülle) oder das Atemanhalten nach der Ausatmung (in der Atemleere), haben unterschiedliche Wirkungen, die ganz gezielt für therapeutische Ziele eingesetzt werden können. Genau wie bei den Körperübungen (Asanas) ist die Anpassung der Atemtechnik an den einzelnen Menschen auch beim Pranayama wesentlich, um eine positive Wirkung zu erreichen.

Die alten Yogaschriften machen darauf aufmerksam, dass man Atemübungen nur mit einem erfahrenen Lehrer lernen sollte, weil eine falsche Anwendung schädlich sein kann. So kann das übermäßige Pressen beim ‚Atmen die innere Spannung erhöhen und sich negativ auf die Herzfunktion auswirken. Um negative Wirkungen durch Atemübungen auszuschließen, ist es notwendig, diese sehr achtsam und in kleinen Schritten aufzubauen.

Neben der großen Heilkraft, die uns der Atem schenkt, können wir durch die bewusste Atmung auch den Geist reinigen.

Wir können uns mit der Quelle verbinden, von wo der Atem kommt, und so indirekt die Einheit spüren. Der Atem spiegelt uns jeden Moment, wie wir uns gerade fühlen. Schon allein die Beobachtung und reine Wahrnehmung unserer Atmung, so wie sie auch in verschiedenen buddhistischen Traditionen – zum Beispiel in der Vipassana-Meditation – gelehrt wird, hat eine stark zentrierende Wirkung auf Körper, Atem und Geist. Dabei können wir feststellen, dass die Atmung sich ständig verändert und von vielen inneren und äußeren Faktoren abhängig ist.

 

Die Beobachtung der Atmung fördert die Achtsamkeit und die Fähigkeit, ganz im Hier und Jetzt zu sein.

 

Dem augenblicklichen Moment und jeden Atemzug bewusst wahrzunehmen fördert die Wachheit und Bewusstheit. Der bewusste Atem öffnet uns das Tor zu Reflexion und Meditation. Er hilft, geistige Unruhe zu reduzieren, und kann uns in einen Zustand vollkommenen Gewahrseins bringen, in dem sich reines Bewusstsein als unsere wahre Quelle offenbart. Das ist wahre Freiheit im Geist und unendliches Sein.

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